«Evergreen»-Fonds, die nachhaltige Version von Private Equity

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In den beiden vorangehenden Artikeln dieser Serie zu den «Evergreen»-Fonds wurde erklärt, worum es sich handelt und ob sich die Schweiz für diese Anlagekategorie eignet.

Nun sollen im vorliegenden dritten Beitrag die Grenzen der klassischen Fonds aufgezeigt und die «Evergreen»-Fonds den institutionellen Anlegern, die vermehrt auf Nachhaltigkeit setzen, als Alternative vorgestellt werden.

 

«Evergreens» als Antwort auf die Einschränkungen klassischer Fonds

Die klassischen Private-Equity-Fonds sind bei den Pensionskassen fest etabliert und geniessen unter Fachleuten einen guten Ruf. Doch sie besitzen auch einige Nachteile. Erstens muss der Asset Manager die erworbenen Anteile wegen der beschränkten Laufzeit des Anlagevehikels recht kurzfristig wieder verkaufen, selbst wenn die Beteiligungsgesellschaft noch viel Potenzial besitzt oder die Finanzmärkte aufgrund wenig attraktiver Preise ungünstig sind. In den anderen Anlagekategorien, vor allem bei den kotierten Aktien, ist die umgekehrte Vorgehensweise sinnvoll: Eine gute Anlage sollte so lange wie möglich gehalten werden.

Ausserdem veranlasst die Art ihrer Vergütung die Asset Manager von Private Equity, jene Verkäufe vorzuziehen, bei denen die grössten Gewinne herausspringen, auch wenn sie wirtschaftlich und sozial unsinnig sind; dazu gehören beispielsweise der Verkauf an die Konkurrenz, die Auflösung des Unternehmens sowie Massnahmen zur kurzfristigen Steigerung der Performance ‒ und eben nicht die langfristige Entwicklung.

Aufgrund dieser beiden Elemente entsteht bei den institutionellen Anlegern, die hohen Wert auf die Nachhaltigkeit, insbesondere auf ökologische und soziale Aspekte ihrer Investitionen legen, oft ein schlechter Eindruck von Private-Equity-Geschäften.

 

Nachhaltigkeit als Ziel der schweizerischen Pensionskassen und KMU

Die «Evergreen»-Fonds passen ausgezeichnet zu diesem Streben nach langfristigen Renditen, da sie auch Kriterien des nachhaltigen Anlegens berücksichtigen. Die schweizerischen Pensionskassen interessieren sich natürlich für diversifizierte und auf Dauer regelmässige Renditen, während die KMU in der Schweiz immer öfter nach zuverlässigen und auch langfristigen Partnern in geografischer Nähe suchen, ohne Veräusserungspflicht der Beteiligungen, um die stabile Aktionärsstruktur und die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens zu stärken.

Das Beispiel der «Retraites Populaires» illustriert diesen Trend hervorragend. Philippe Doffey, CEO des Unternehmens, erwähnte vor kurzem in der Presse, es gebe derzeit keine anerkannte Definition eines verantwortungsbewussten Anlegers. Man betone aber oft zwei Schlüsselelemente: eine langfristig ausgelegte Vision und die Berücksichtigung der Kriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, die gemeinhin «ESG» genannt werden. Er sei überzeugt, dass die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung die langfristigen Renditen stark beeinflussen würden.

Wir sind überzeugt, dass sich dieser neue Trend mit der Zeit noch ausweiten wird. In diesem Zusammenhang muss die Lancierung zweier «Evergreen»-Fonds durch die Anlagestiftungen von Credit Suisse bzw. Renaissance erwähnt werden, wobei letztere ausschliesslich nicht kotierte schweizerische KMU im Rahmen von Familiennachfolgen und brancheninternen Übernahmen finanziert.


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